Portrait Jens Weber: Physiotherapeut arbeitet "chinesisch"

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Aus der Rheinischen Post vom 06.12.2012:

Der 53-jährige Mönchengladbacher Physiotherapeut Jens Weber, der früher die DEG betreute, sieht manche Gewohnheiten des Hobbysports kritisch.

Jens Weber betreibt zusammen mit seiner Schwiegertochter Anne Prinzen-Weber eine Physiotherapiepraxis in Mönchengladbach. Das Besondere: der 53-jährige ist Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) – freilich beansprucht er dieses Wissen nicht im ärztlichen Sinne. Aber auch als ehemaliger Sport-Physiotherapeut und Betreuer der Düsseldorfer DEG (Eishockey) und des TV Angermund (Handball) und dank vieler Fortbildungen hat Weber einen großen Erfahrungsschatz in TCM angehäuft.

Physiotherapeut Jens Weber - Rheinische Post

Das Bemühen um das innere Gleichgewicht steht im Mittelpunkt der Koordinationsübungen von Physiotherapeut und TCM-Experte Jens Weber – RP-Foto: Detlef Ilgner

 

Im Mittelpunkt dieser Methodenlehre, die Jahrtausende alt ist, steht der Begriff des Gleichgewichts, der “Homöostase”. “Nur wenn das Gleichgewicht, inwendig wie außen, beim Menschen aufrecht erhalten wird, helfen ihm Bewegung und sportliche Betätigung wirklich dabei, etwas für seine Gesundheit zu tun”, sagt Weber. Stets bezogen auf das Lebensalter seien bestimmt sportliche Übungen zulässig, andere nicht. So lehre die TCM, dass Menschen in den ersten sieben Lebensjahren “unbedingt ihre Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit” trainieren lassen müssen – zum Beispiel im Spiel. Dagegen sei allzu frühes Krafttraining eher schädlich. “Das sollte erst zwischen dem 14. und 21. Lebensjahr anlaufen”, ist Weber überzeugt. Wenn Kinder schon im zartesten Alter schwere, anstrengende Turnübungen absolvieren, um Olympiareife zu erlangen, schließen sich die Wachstumsfugen in den Gelenken zu früh – und die Kinder bleiben auffallend klein.

Außergewöhnliche Ansichten vertritt Jens Weber zu dem beliebten Volkssport Nordic Walking. “Gehen ohne Stöcke bringt genauso viel wie mit Stöcken”, meint er. Nach “chinesischer Lehre” würden beim Marschieren mit Stöcken in der empfohlenen Haltung wichtige Energieleistungen “verschlossen”. Sinnvolles Krafttraining sollte man seiner Meinung nach mit Lang- und Kurzhanteln ausführen, schlägt Weber vor. “Aber”, fügt er an, “ich habe nichts gegen Walking, doch Stöcke sind nicht nötig da, um die Ausdauer zu trainieren.”

Weber vertritt noch eine These, die in der Fachwelt für Erstaunen sorgen dürfte: “Ob sich Ihr Gesundheitszustand verbessert oder verschlechtert, hängt nicht von der Stunde im Fitnessstudie ab oder beim Therapeuten ab, sondern von den 23 Stunden, in denen Sie nicht dort sind.” Im Unterschied zu der gerätegestützten Diagnostik, die allein die Struktur des Körpers berücksichtige, findet der in der TCM ausgebildete “Tuina” den Ansatz für bessere Gesundheit in der “Qualitätsverbesserung der Funktion”. Weber: “Diese ist der Schlüssel.”

Für ihre Patienten bietet die Praxis für Physiotherapie ANNEPRINZEN und JENSWEBER in Mönchengladbach Kurse in “Vitalmanagement” an (Vitalmanagment-durch-die-Praxis-fuer-Physiotherapie-Prinzen-Weber). Wie hat man sich das vorzustellen? Weber gibt ein Beispiel: “Das Ziel einer chinesischen Übungseinheit liegt in der Harmonisierung der Atmung. Durch gelenktes Ein- und Ausatmen wird der Energiefluss im Körper geregelt. Die Verteilung der Energie kann in bestimmte Regionen geleitet werden. Dadurch lösen sich Stagnationen und Verspannungen im Körper und unser Säftehaushalt ist wieder in der Lage, alle Vitalfunktionen optimal zu versorgen. Die Übungen werden sehr langsam, in ruhe-konzentrierter Form durchgeführt. Der Aspekt liegt auf Koordination und Zentrierung des Körperschwerpunkts. Je nachdem, welche Leitbahn stagniert oder wo zu wenig Energie fließt, kann durch die Auswahl der Übung Einfluss genommen werden.” Ein Übungsprogramm enthalte neben allgemeinen Übungen auch spezielle, die auf das Krankheitsbild abgestimmt seien. Dazu braucht der Patient, so Weber, anfangs eine Anleitung. Später könne er die Übungen selbstständig durchführen.

Traditionelle Chinesische Medizin: die Homöostase steht im Mittelpunkt

Begriff: Homöostase (griechisch) bedeutet Gleichstand. Gemeint ist die Erlangung bzw. der Erhalt eines Gleichgewichts, physisch wie psychisch.

Tipp: Physiotherapeut Jens Weber empfiehlt als Training für die Herstellung von Gleichgewicht den Einbeinstand: jeweils fünf bis zehn Sekunden auf einem Bein verharren – mit geschlossenen Augen.

Sportliche Betätigung: Sie sollte dem Lebensalter und Gesamtzustand angepasst dosiert werden. Sonst drohen Verletzungen.

Kontakt:

ANNEPRINZEN
JENSWEBER
Praxis für Physiotherapie GmbH
Therapiezentrum am Bunten Garten
Mozartstraße 22
41061 Mönchengladbach

Internet: www.prinzen-weber.de
Telefon: 0 21 61 / 4 69 66 53
E-Mail: praxis@prinzen-weber.de

 

Rheinische Post vom 06.12.2012. Von Dirk Richerdt / RP-Foto Detlef Ilgner.

 

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